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Lage von Wolfhagen in Deutschland




















Wolfhagen aus der Vogelperspektive und Lage des
Steinbruchs, in dem Saurierfährten entdeckt wurden.
Quelle: Google Earth






















Steinbruch mit Saurierfährten im Stadtwald von Wolfhagen

Forschungsgeschichte
Seit dem Jahr 1999 haben die Paläontologen Dr. Reiner Kunz (Wolfhagen) und Dr. Jürgen Fichter (Kassel) aus einem Steinbruch im Stadtwald von Wolfhagen, in dem Schichten des Mittleren Buntsandsteins aufgeschlossen sind, eine Vielzahl zum Teil hervorragend erhaltener Saurierspuren geborgen. Seitdem sind neun verschiedene Saurierfährtengattungen erkannt worden. Zwei davon, nämlich die zu der Sammelgruppe der Chirotherien (= Handtieren) gehörenden Gattungen Protochirotherium wolfhagense (=das Wolfhager Urhandtier) und Palaeochirotherium macrodactylum (= das alte Handtier mit dem großen Zeh), waren bislang völlig unbekannt.

Wissenschaftliche Bearbeitung der Wolfhager Saurierfährten
Die Wolfhager Saurierfährten wurden von Fichter und Kunz nach wissenschaftlichen Standards bearbeitet und sowohl in Fachzeitschriften als auch in populärwissenschaftlichen Medien publiziert (s. Literaturverzeichnis auf Seite 3). Insbesondere wurden sie auch im Rahmen der Projektierung und der Außendarstellung des Geoparks GrenzWelten (Region "Wolfhager Land") präsentiert.

Vorkommen von Protochirotherium außerhalb Deutschlands
Die anhand des Wolfhager Materials neu aufgestellte Gattung Protochirotherium ist inzwischen auch aus Polen, Marokko , Italien, Spanien, Österreich, Nord- und möglicherweise auch Südamerika bekannt geworden (s. Seite 2).


Protochirotherium wolfhagense, das Wolfhager Ur-
handtier, Fuß-(hinten) und Handeindruck (vorn), Ein-
drücke der linken Extremitäten. Protochirotherium
wird als sehr ursprüngliche Form innerhalb der
Formengruppe der Chirotherien betrachtet.

Unterschiedliche Benennung von Fußspuren und Skeletten
Es muss festgestellt werden, dass die hier erwähnten Gattungs- und Artnamen ausschließlich Fußspuren und keine Tiere repräsentieren. Es gibt also kein Tier, das Protochirotherium heißt, sondern nur eine Fußspur. Erst wenn man einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen überlieferten Saurierskeletten und Fährten herstellen könnte, wäre eine gemeinsame Benennung möglich. Diesen Zusammenhang herzustellen, ist allerdings ziemlich schwierig, da das Überlieferungsmilieu von Fährten und Skeletten grundsätzlich unterschiedlich ist. Fährten werden an Land erzeugt und hier auch überliefert. Verendet ein Saurier an Land, muss sein Kadaver möglichst rasch unter Sedimentbedeckung geraten, was am besten durch Einspülen in ein Gewässer oder in eine Karstspalte (s. Korbacher Spalte) garantiert wäre. Eine Überdeckung durch Dünensande wäre ebenfalls denkbar. Bleibt der Kadaver aber ungeschützt auf der Landoberfläche liegen, wird er durch Verwesungsprozesse und/oder Witterungseinflüsse sowie Aasfresser sehr schnell vernichtet. Der Idealfall, um den Zusammenhang zwischen Skelett und Fährte herzustellen, wäre, dass am Ende einer Fährte ein Skelett überliefert ist.


Protochirotherium wolfhagense, das Wolfhager Urhandtier,
Hand- (vorn) und Fußeindruck (hinten), rechte Extremitäten






















Hypothetische Rekonstruktion der realen Fußmorphologie
des Wolfhager Urhandtieres, Protochirotherium wolfhagense


































Isolierter Handeindruck von Protochirotherium wolfhagense















Palaeochirotherium macrodactylum, das alte Handtier
mit dem großen Zeh

Synaptichnium
Eine Ausnahme unter den in Wolfhagen nachgewiesenen chirotheriiden Fährtengattungen stellt Synaptichnium dar. Denn anders als bei den Gattungen Protochirotherium und Palaeochirotherium ist nicht Zeh III am längsten, sondern Zeh IV, was ingesamt ein lacertoides (eidechsenartiges) Erscheinungsbild ergibt (zu anderen lacertoiden Fährten siehe weiter unten).























Fuß- und Handeindruck der Fährtengattung Synaptichnium (Fußeindruck hinten, Handeindruck vorne).